»Mann muss nicht in der Bratpfanne gelegen haben, um über ein Schnitzel zu schreiben.«

Maxim Gorki

EXKLUSIV: PREVIEW LESEPROBE


»Hanna Holt und der Voodoo-Klan«
Kapitel 2. Benjamin
Ben, Grover und Nate schlugen sich gegenseitig ab. Ihre schwarzen Gesichter glänzten vom Schweiß. Wieder einmal hatten sie gegen die anderen gewonnen. Obwohl er mit seinen 1,80 Metern der Kleinste von ihnen war, hatte Ben den Ball von der Freiwurflinie direkt in den Korb gelegt, in letzter Sekunde sozusagen. Es war knapp gewesen diesmal, doch es hatte gereicht.
„Raucht ihr noch eine mit?“, fragte Ben in die Runde und erntete kollektives Kopfschütteln.
„Muss morgen früh raus.“, erklärte Grover, „wenn ich noch ein einziges Mal zu spät bin, schmeißt mein Boss mich raus.“
Auch die anderen hatten Jobs, mehr oder weniger. Was manche Leute für einen Job hielten, würden andere Knast nennen. Doch Ben hatte Verständnis für seine Freunde, schließlich hatte er gerade den dritten Job verloren, nachdem er die Arbeitsbedingungen seines Bosses als Sklaventreiberei bezeichnet hatte. Er hatte eigentlich nur mal nach mehr Geld fragen wollen, da er 5, 90 Dollar pro Stunde nicht gerade üppig fand, aber die Diskussion war schnell beendet. Eine viertel Stunde später hatte er seine Papiere in der Hand, kein Geld, dafür mehr Freizeit.
Jetzt zuckte er die Achseln und blickte den Freunden nach, die schlurfend den Basketballkäfig verließen. Im schummrigen Licht der Sportfeldbeleuchtung zündete er sich seine wohlverdiente Zigarette an. Er dachte an seine Mutter. Wie gern würde er ihr ein größeres Haus ermöglichen. Das, was sie jetzt bewohnten, war viel zu eng für sie und die vier Söhne.
Mit einem metallischen Knall erlosch plötzlich die Beleuchtung und der Platz lag im Dunkeln. Ben zuckte zusammen, seine Zigarette fiel ihm aus der Hand. Er fluchte. Auf der gummierten Bodenbeschichtung hatte er keine Schritte gehört, doch jetzt riss ihn eine weiße Gestalt von der Holzbank. Ben rappelte sich schnell auf, er schlug wahllos um sich und hörte einen verhaltenen Schmerzenslaut. Getroffen! Ohne einen Gedanken an seine Sporttasche zu vergeuden, rannte er los. Kurz hinter der Tür des Zaunes, stieß er gegen eine weitere Person. Ein gekonnter Boxhieb gegen die Brust und er oder sie hatte erst mal mit der Atmung zu kämpfen. Was sollte der Mist, fragte sich Ben und gab Gas. Zwei andere kamen aus Richtung Parkplatz hinter ihm her. Auch sie sahen aus wie Gespenster, trugen weiße Kutten und Kapuzen. Jetzt überkam Ben die nackte Angst. Wenn das kein übler Scherz war, sollte er jetzt besser um sein Leben rennen! Sein Haus lag an der zweiten Avenue. Ben lief quer durch den Park, überquerte die zehnte, die elfte Straße, hier gab es viele Bäume, denen er ausweichen musste. Als er die zwölfte Straße passieren wollte, stoppte ihn ein schwarzer Geländewagen. In vollem Lauf rannte Ben gegen die Fahrertür und stürzte auf den noch immer warmen Asphalt. Er hörte, wie die Türen des Wagens sich öffneten und wollte gerade um Hilfe schreien, da traf ihn ein harter Schlag am Kopf. Seine Augen ließen sich nicht mehr öffnen und aus seinem Mund kam nur noch ein Gurgeln.