»Oft ist das Denken schwer, indes das Schreiben geht auch ohne es.«

Wilhelm Busch

Gedichte


Falscher Freund

Wenn ich dir heut` begegne, bist
du längst nicht mehr allein
läuft düster ein Geselle, der
mir Sorgen macht, neben dir her
In welchem Tempo du auch gehst,
er holt dich immer ein
setzt sich auf deine Schulter, grinst
mir ins Gesicht, das stört mich sehr


Mich schreckt er ab, doch wie es scheint
kannst du nicht ohne ihn
ich seh` jedoch im Grunde nur
Verzweiflung in der Sympathie
Alle Versuche ihn nicht zu
beachten - sie schlugen fehl
Leutseliges Gehabe fegt
mir ins Gesicht, er will nicht geh`n

Dein Freund erzählt Geschichten, die
sind voller Phantasie
er lügt, mit andren Worten, wie
Münchhausen und du merkst es nicht
Er hat so seine Launen, oft der
Fröhlichkeit zu viel
dann wieder wird er bös und faucht
mir ins Gesicht, behagt mir nicht


Ich weiß, er holt dich aus dem tiefen,
schwarzen Loch heraus
nimmt dir den Schmerz, der dich beinahe
erstickt, für kurze Zeit
Am nächsten Morgen geht’s dir wieder
schlecht, er lacht dich aus
Es überkommt dich Schwindel, strömt
aus dem Gesicht die Übelkeit

Sein Blick aus Glas und seine schwere
Zunge, wie sie spricht aus dir
sein übler Atem uns erlahmen
und erblinden lässt.
Ganz langsam fängt er an dich
aufzufressen, nimmt dich voller Gier,
mit zitternden Gliedmaßen und
rotem Gesicht hält er dich fest.

Wie du dich seinetwegen selbst
vergisst macht mir das Herz so schwer
durch seine schwarze Seele und
Betörung unsre Freundschaft bricht
Dass ich dir eine Freundin war,
ist wirklich lange her
Dein falscher Freund, glasklar in Flaschen
abgefüllt, wartet auf dich
Malerei